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Interviewreihe zum Spreewälder Kunstfestival aquamediale

von chk (19.06.2021)


Interviewreihe zum Spreewälder Kunstfestival aquamediale

Weird Sisters, © Nadine Glas

Die aquamediale ist ein internationales Festival für zeitgenössische Kunst im Spreewald und seit 19 Jahren fester Bestandteil des brandenburgischen Kultursommers.

Elf Künstler*innen aus acht Nationen begleiten die aquamediale 14 und visualisieren das Thema „Hand Werk Kunst“ in ihren Arbeiten. Über die Dauer der aquamediale stellen wir auf art-in-berlin in regelmäßigen Abständen die Künstler*innen in Kurzinterviews vor:

Den Beginn macht die Künstlerin: Nadine Glas ...

aib: Das Kunstfestival aquamediale steht unter dem Motto „Hand Werk Kunst“. In welchem Verhältnis stehen für Sie die Begriffe Hand Werk Kunst?

Nadine Glas: Kunst stellt Fragen. Handwerk bietet Lösungen.

aib: Was haben Sie vor Ort vorgefunden, was Ihr künstlerisches Interesse erregt hat?

Nadine Glas: Besonders die Vielfalt der Flora und Fauna im Biosphärenreservat und den Einfluss der Menschen darauf, diese zu erhalten, finde ich faszinierend. Gleich, wie sehr die Menschheit auf die Natur angewiesen ist, um mit ihr und als Teil von ihr zu leben, ist auch die Natur in umgekehrter Weise immer abhängiger vom Schutz und der Pflege durch den Menschen. Zum Beispiel habe ich erfahren, dass der Erlenhochwald, in dem der größte Exportschlager der Region, die Erle, zusammen mit Eschen, Ulmen und Stieleichen als stabile Waldgesellschaft einen einzigartigen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten bietet, erst durch die gezielte Aufforstung durch den Menschen vor gut hundert Jahren entstehen konnte. Diese Wechselwirkung von Mensch und Natur interessiert mich und hat mich auch zu meiner Arbeit „The Weird Sisters“ inspiriert.

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Weird Sisters, © Nadine Glas

aib: Wie wichtig war der Austausch vor Ort (mit den anderen Künstler*innen / mit den Menschen vor Ort oder den Organisatoren)?

Nadine Glas: Leider gab es während der Ausstellungsvorbereitung wegen des Corona-Virus nur bedingt Austausch zwischen den Künstler*innen. Bis auf ein paar Ausnahmen haben alle eher für sich gearbeitet. Schön finde ich aber, wie sich jetzt am Ende trotzdem alles gut zusammenfügt. Da haben Kurator Harald Larisch und das Organisationsteam gute Arbeit geleistet. :-)
Die Menschen vor Ort, die ich während des Aufbaus kennengelernt habe, waren sehr hilfsbereit und freundlich. Besonders dankbar bin ich Herrn und Frau Müller, auf deren Grundstück ich meine Arbeit installieren konnte, und die mir beim Aufhängen meiner „Weird Sisters“ tatkräftig geholfen haben.

aib: In Ihrer aktuellen Arbeit geht es u.a. um die Wechselwirkung zwischen Mensch, Natur Handwerk und Technik. Könnten Sie den Arbeitsprozess nochmals beschreiben?

Nadine Glas: Für meine Installation auf der aquamediale 14 habe ich mich mit der heimischen Flora in der Spreewaldregion beschäftigt, wobei mich besonders die Vermehrungsmechanismen der Pflanzen faszinierten. Meine visuellen Eindrücke habe ich zeichnerisch festgehalten und anschließend frei in 3D Modelle am Computer übersetzt. Mein Fokus während der Umsetzung lag nicht auf einer naturwissenschaftlich exakten Wiedergabe oder Kopie der Pflanzenteile, sondern in einer persönlichen Auseinandersetzung mit der Formensprache von Pollen und Samen mittels Abstraktion. Realisieren konnte ich meine 3D Drucke in Zusammenarbeit mit einer lokalen Druckerei in Dresden.

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Weird Sisters, © Nadine Glas

aib: Ihre Arbeit wirkt auf den ersten Blick spielerisch. Es steckt jedoch auch ein kritischer Ansatz dahinter bzw. ein Hinterfragen gängiger Zustände?

Nadine Glas: Der Titel meiner Arbeit The „Weird Sisters“ verweist auf das ambivalente Verhältnis von Mensch, Fortschritt und Natur. Zunächst spielt er auf die drei Hexen an, die im Shakespeare-Drama „Macbeth“ als Inkarnation der Moiren – der antiken Schicksalsgöttinnen auftreten. Theodor Fontane, der ja seinerseits die Landschaft des Spreewaldes selbst ausgiebig bereist und literarisch porträtiert hat, greift die drei shakespeareschen Hexen als Naturgeister in seiner Ballade „Die Brück am Tay“ wieder auf. In Fontanes Gedicht wird ein Zugunglück beschrieben, das sich im Dezember 1879 in Schottland ereignet hat. Das Unglück, bei dem fünfundsiebzig Menschen ihr Leben verloren, war die Konsequenz des Einsturzes einer neu erbauten, über dreitausend Meter langen Eisenbahnbrücke über dem Fluss Tay. Unmittelbare Ursache der Tragödie war ein Sturm gewesen, der in Fontanes Ballade durch die drei Hexen heraufbeschworen wird.
Während die Brücke im Mittelteil des Gedichtes optimistisch als technische Errungenschaft der Menschheit gelobt wird, die es nun erlaubt, den Naturgewalten zu trotzen und auch bei schlechtem Wetter den Tay zu überqueren, drückt der letzte Satz „Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand“ Skepsis gegenüber dem technischen Fortschritt aus. Wie hilflos unterlegen die menschlichen Geschicke den durch die Hexen heraufbeschworenen Elementarkräften letztlich sind, wird im vorletzten Vers des Gedichtes deutlich, in dem die Katastrophe aus der Ferne beobachtet wird: Die Brücknersleute am Flussufer sehen nur ein kurzes Aufglühen, dann erlöschen die Lichter des Zuges. „Und wieder ist Nacht.“
Ende 2020 wurde der historische Punkt erreicht, an dem erstmals die Masse aller existierenden menschengemachten Strukturen die weltweite Biomasse überstieg. Millionen von Wolkenkratzern bestimmen die Städtebilder auf unserer Erde. Die Ozeane sind überfüllt vom Abfall der letzten Generationen. Gewässer übersauern, Böden werden unfruchtbar. Die tropischen Regenwälder werden genauso abgeholzt wie der boreale Nadelwald der Taiga oder die uralten Mammutbäume im Westen Kaliforniens.
Es ist ein Spiel mit dem Feuer. Nicht erst seit gestern erzählen sich häufende Umweltkatastrophen die Geschichte eines Wandels, den die Menschheit ausgelöst hat. Vor mehr als zweihundert Jahren war Alexander von Humboldt der erste Naturforscher, der auf einen möglichen Klimawandel und dessen direkte Auswirkungen auf die Umwelt und das Leben der Menschen aufmerksam gemacht hat. Humboldt hat als erster einen größeren Zusammenhang der Dinge erkannt und davor gewarnt, die Natur weiterhin derart maßlos auszubeuten.
Mich beschäftigt diese Verbindung der Naturphänomene und die Balance von Geben und Nehmen zwischen dem Ökosystem Erde und uns – den Menschen.
Meine Arbeit ist der Versuch einer Annäherung. Die Motive des Natürlichen und des Unnatürlichen vereinen sich in den 3D-gedruckten Pollen aus Plastik. Als Biotop der seltsamen Formen hinterfragt meine Arbeit „The Weird Sisters“ die Wechselwirkung von Mensch, Technik, Natur und Handwerk und bleibt dabei voll Verwunderung über die eigenartige Schönheit der Dinge, die man zu kennen glaubt.

Mehr zu Nadine Glas: www.nadineglas.com

Unter dem Thema „Hand Werk Kunst“ ist die Kunstausstellung am, im und auf dem Wasser nun bis zum 18. September 2021 im Spreewalddorf Schlepzig zu sehen.

www.aquamediale.dahme-spreewald.info

chk

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Der Förderverein aquamediale e.V. hat im Rahmen des Ideen-Wettbewerbs „Kulturelle Heimat Lausitz“ des Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg eine Förderung erhalten, um ein interdisziplinäres und zeitgenössisches Kunstzentrum in der Spreewaldgemeinde Schlepzig zu etablieren. (Sponsored Content)

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