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Zur aquamediale 15: Im Gespräch mit Maria Bauhofer & Jonas Fleckenstein (Studio Baustein)

von chk (04.08.2023)
vorher Abb. Zur aquamediale 15: Im Gespräch mit Maria Bauhofer & Jonas Fleckenstein (Studio Baustein)

Maria Bauhofer / Jonas Fleckenstein (Studio Baustein), Observation of a floating (Detail), 2023, Foto: FRAMERATE MEDIA / Förderverein aquamediale e.V.

Die aquamediale ist ein jährlich stattfindendes internationales Festival für zeitgenössische Kunst im Spreewald. Das Spreewalddorf Schlepzig bildet dabei den Ausgangspunkt für künstlerische Interventionen, die sich immer wieder mit hochaktuellen Themen unserer Zeit beschäftigen. So zum Beispiel die aquamediale 13, die sich unter dem Motto „Spreeland trifft ...“ mit Fragen der Globalisierung auseinandersetzte. In diesem Jahr lautet das Thema »UNART NATUR - Mensch prokontra Natur«. Aus einem Open Call heraus bewarben sich 123 Künstler*innen aus 16 Nationen, 10 wurden für die aquamediale 15 ausgewählt. In Zusammenarbeit mit dem Kurator Harald Larisch werden nun die Kunstwerke vor Ort realisiert.

Maria Bauhofer hat an der Burg Giebichenstein in Halle Industriedesign studiert und arbeitet als Designerin. Jonas Fleckenstein, Absolvent der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, ist bildender Künstler. Gemeinsam gründeten sie das Studio Baustein, das bei der Produktentwicklung, u. a. von hochwertigem Spielzeug, Wert auf nachhaltige Materialien legt.
Für die aquamediale 15 arbeiten Maria Bauhofer & Jonas Fleckenstein zusammen an der interaktiven Installation eines künstlichen Vogelschwarms aus recyceltem Kunststoff mit dem Titel "Observation of a floating moment“.

Interview

Carola Hartlieb-Kühn: Beim Betrachten Ihres Trailers zur aquamediale 15 hat man den Eindruck, Sie nähern sich Ihrem Thema wie in einer wissenschaftlichen Versuchsanordnung. Ist diese Herangehensweise typisch für Ihr Vorgehen?

Studio Baustein: Tatsächlich lassen wir uns bei unserer Arbeit oft von Eindrücken oder Erlebnissen aus unserer Umwelt inspirieren, die wir aus unserer persönlichen Perspektive durchdringen und erforschen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse finden dann in einem Objekt ihren Ausdruck. Man könnte unsere Arbeitsweise vielleicht als "subjektive Forschung" bezeichnen.
Beim Schneiden des Videos war es wichtig, herauszufinden, welche Motive uns zum Bau der Installation in dieser Form geführt hatten. Im kritischen Dialog stellten wir fest, dass sich verschiedene Bilder und Themen zu einem Gesamteindruck überlagern. Diese sind aus unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen, Emotionen und Vorstellungen zusammengetragen. Neben wissenschaftlichen Themen inspirierten uns Fragen der Mechanik, der Gestaltung und der Ästhetik. Im Trailer zur Installation haben wir nach einer Form gesucht, um diesen momentanen, vielschichtigen Zustand abzubilden.

CHK: Sie greifen in Ihrer Installation "Observation of a floating moment" das Naturerlebnis des Vogelfluges auf und setzen diesen in eine virtuelle Erfahrung um. Was hat Sie an dieser Übertragung gereizt?

SB: Wir denken, dass ein Naturerlebnis durch künstliche und künstlerische Imitation an Wert gewinnen kann. Einerseits werden beim Betrachten der mechanischen Installation Erinnerungen an Vogelschwärme wach, andererseits fallen im selben Moment die Unterschiede zwischen beiden Erlebnissen auf: Während die künstlichen Vögel mühsam flattern, schwingen sich die echten Tiere leicht durch die Luft und bilden unglaubliche Formationen. Sie bleiben jedoch fern und ein spontanes Erlebnis im Gegensatz zur Installation, die immer wieder aktiviert werden kann. Das Abgleichen von Erlebnis und Erinnerung frischt unsere Wahrnehmung auf und lässt einen Diskurs entstehen, den wir als Bereicherung empfinden.

CHK: Das hört sich technisch alles sehr komplex an. Wie sind Sie vorgegangen?

SB: Wir entwickelten den Vogel bereits früher als kinetisches Objekt für den Wohnraum und haben ihn nun für die aquamediale 15 für den Außenraum umgerüstet. Das bedeutet vor allem, dass wir andere Materialien und Mechanismen finden, beschaffen und verarbeiten mussten. Hierbei sind wir über einige Umwege zu den recycelten Kunststoffplatten gelangt, was wir als großen Zugewinn für das Projekt betrachten.
Für die Aufhängung und Aktivierung haben wir viel recherchiert, Modelle gebaut und getestet, bis wir zur jetzigen Form kamen. Dabei stand immer die Bewegung im Fokus – wie die Konstruktion aussieht und wie viel von der Mechanik zu sehen ist, war immer zweitrangig.


Maria Bauhofer / Jonas Fleckenstein (Studio Baustein) beim Aufbau von Observation of a floating (Detail), 2023, Foto: FRAMERATE MEDIA / Förderverein aquamediale e.V.

CHK: Für Sie spielt der Begriff der Nachhaltigkeit eine große Rolle. Wie wirkt sich das auf Ihre Arbeiten aus? Verwenden Sie bestimmte Materialien ... ?

SB: Als Produktdesigner:in sind wir der Meinung, dass besonders Serienprodukte nachhaltig gedacht werden sollten, da eine Materialentscheidung mit jedem einzelnen Produkt wiederholt wird.
Für Studio Baustein fertigen wir zwar maximal Kleinserien, trotzdem finden wir das Thema für unsere Arbeit relevant, da Kunstwerke zum Betrachten und Nachdenken entworfen sind und somit gestalterische Entscheidungen von den Betrachter:innen wahrgenommen und reflektiert werden.
Da wir bei unseren Projekten meist von einer Idee ausgehen, sind wir bei der Materialwahl recht flexibel. Das bedeutet auch, dass wir jeweils neu herausfinden müssen, wie wir Materialien bearbeiten und kombinieren können. Bei jeder Entscheidung haben wir also die Gelegenheit, exemplarisch auszuloten, welche Möglichkeiten es gibt, nachhaltig zu gestalten: Woher kommen die Materialien, unter welchen Umständen werden sie produziert und wie können sie nach einer Nutzung weiterverwendet werden? Wir schätzen diesen Diskurs und das praktische Wissen, das wir dabei erlangen und an die Betrachter:innen weitergeben können. Außerdem macht es natürlich wesentlich mehr Spaß, Materialien mit einem guten Gefühl zu verarbeiten.

CHK: Bei der diesjährigen aquamediale steht der Einfluss des Menschen auf Klima und Natur im Mittelpunkt. Inwieweit haben Sie dieses Thema in Ihrer Arbeit aufgegriffen?

SB: Unsere Umwelt verändert sich durch den Einfluss des Menschen. Das betrifft auch Naturphänomene, die wir als völlig unveränderlich angesehen haben. Gerade deshalb war es uns so wichtig, dass der Schwarm in unserer Installation von den Besucher:innen in Bewegung gesetzt wird. Hier wird die menschliche Einflussnahme auf Abläufe in der Natur ziemlich direkt erfahrbar. Bewegung erzeugt Bewegung. Und die Bewegung geht vom Menschen aus.
Themen wie Nachhaltigkeit und Klima sind mittlerweile allgegenwärtig - auch im Kunst- und Designdiskurs. Für uns als Team, das sich durch Objekte ausdrückt, hat das Thema eine besondere Relevanz. Aus diesem Grund haben wir beim Bau auf ein Recyclingmaterial zurückgegriffen, obwohl der Aufwand wesentlich höher war, als herkömmliche neue Materialien zu verwenden: Da wir die Kunststoffplatten in der von uns benötigten Form nicht kaufen konnten, haben wir sie uns aus gesammeltem und geschreddertem Abfallkunststoff selbst hergestellt. Es war uns ein Anliegen, durch die Materialwahl den Umgang mit Kunststoffen zu thematisieren.


Maria Bauhofer / Jonas Fleckenstein (Studio Baustein), Observation of a floating (Detail), 2023, Foto: FRAMERATE MEDIA / Förderverein aquamediale e.V.

CHK: Gibt es einen Moment in der Arbeit, von dem Sie sagen würden, dass sich das nur hier vor Ort (also im Spreewald) so entwickeln konnte?

SB: Die Fortbewegung mit dem Kahn auf den Flussarmen der Spree ist natürlich eine außergewöhnliche Möglichkeit, Natur und Kunst zu erleben. Der Spreewald als Ausstellungsort gefällt uns deshalb besonders, da die Bewegung der mechanischen Vögel vom Kahn aus erfolgt, der sich ja auch bewegt. Hier treffen zwei Momente aufeinander, die letztlich auch Eingang in den Titel gefunden haben.
Die Idee des mechanischen Vogelschwarms schwingt - ausgehend von "unserem" Schwingvogel - schon länger in unseren Köpfen. Der Spreewald, in dem viele Vögel leben und fliegen und der nun die Installation umgibt, setzt neue Referenzen für die künstlichen Vögel und bringt sie ihrer ursprünglichen Inspiration wieder näher.

CHK: Handelt es sich bei "Observation of a floating moment" um eine abgeschlossene Arbeit oder bildet sie den Ausgangspunkt für weitere Arbeiten?

SB: "Observation of a floating moment" soll ein abgeschlossener erster Arbeitsabschnitt werden. Allerdings möchten wir unseren Ansatz gerne weiter verfolgen und eine Reihe von Objekten schaffen, die sich mit Bewegungsabläufen in der Natur auseinandersetzen. Einige Ideen haben bereits eine Form gefunden oder müssen nochmals überarbeitet werden, andere sind skizziert und warten darauf, realisiert und ausgestellt zu werden.
Wir sind hierfür auf der Suche nach Orten und Mitteln, um die Objekte in einer großen Ausstellung zusammenzuführen. Derzeit sind wir mit einigen Kunsträumen in Kontakt, freuen uns aber auch über und auf Anfragen und neue (Ausstellungs-)Projekte.

Weitere Informationen zu Studio Baustein: Maria Bauhofer / Jonas Fleckenstein:
www.studiobaustein.de

Weitere Infos zur aquamediale 15:
www.aquamediale.de und www.kuenstlerhaus-eisenhammer.de

chk

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