Szenenfoto TRIEGEL TRIFFT CRANACH – MALEN IM WIDERSTREIT DER ZEITEN (© Emilian Tsubaki)

Im rabiaten Bildersturm der Reformation wurde der Mittelteil des Marienaltars von Lucas Cranach im Naumburger Dom zerstört. Knapp 500 Jahre sollten vergehen bis diese „Lücke“ geschlossen werden konnte, bis der Maler Michael Triegel 2020 den Auftrag zur Wiederherstellung des Altarbildes erhielt. Die Wahl fiel nicht von ungefähr auf den in Erfurt geborenen Künstler, der der Neuen Leipziger Schule zugeordnet wird. Er ist bekannt für sein Interesse an religiösen Themen und Motiven, hat u.a. keinen Geringeren porträtieren dürfen als unseren damaligen Papst Benedikt XVI. Und das als ostdeutsches „Atheisten-Kind“.

Vielen war/ist dies genauso suspekt wie seine meisterhafte Maltechnik, die sich an den großen Namen der Kunstgeschichte orientiert. Warum sollte man in der heutigen Zeit wie die Künstler der Renaissance malen? Dies sei ästhetisch rückständig, seine Kunst gar reaktionär.
Triegel selbst versteht sich als Tabubrecher und stellt sich als ewig Sinnsuchender dar - offen gegenüber den letzten Fragen und Geheimnissen des Lebens. Kunst müsse immer auch eine Zumutung sein, meint er, sei nur verständlich im Kontext des Kultischen. Solche Äußerungen fallen in dem Film des Regisseurs Paul Smaczny, der jetzt in die Kinos kommt, vermehrt – und leider unhinterfragt.

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Szenenfoto TRIEGEL TRIFFT CRANACH – MALEN IM WIDERSTREIT DER ZEITEN (© Emilian Tsubaki)

Was dem Regisseur jedoch hervorragend gelingt, ist, die Zuschauer in den Entstehungs- und Schaffensprozess des neuen Altarbildes einzubinden. Wir werden Zeugen davon, wie die ersten Skizzen und Zeichnungen entstehen, wie sich Schritt für Schritt über die Jahre die einzelnen Bildteile im Atelier entwickeln. Wir sehen wie haargenau Triegel Details bearbeitet, wie gekonnt sein Malstil ist. Man bekommt eine Ahnung davon, was es heißt, mit bis zu 20 Lasurschichten zu arbeiten - mit Techniken, wie sie die alten Meister der Renaissance und des spanischen Barock nutzten. Triegel hat sie alle studiert. Dürer, Raffael, Michelangelo sind seine Vorbilder. Seit seiner Jugend begleiten sie ihn und sind ihm Inspirationsquelle.

Leider begleitet der Regisseur den Künstler auch mehrfach auf seinen Reisen nach Italien, nach Rom, Florenz und Procida, um den katholischen Erlebnishintergrund Triegels zu verdeutlichen. Diese Szenen sind gleichermaßen langatmig wie überflüssig. Dass Triegel seine Figuren aus seinem eigenen Leben heraus porträtiert erklärt er ohnehin mehrfach selbst. Der Künstler will keine entrückten Heiligen auf seinen Bildern, sondern Menschen aus dem Hier und Jetzt. Sein Petrus etwa ist ein Obdachloser mit Basecup, dem er in Rom begegnet ist. Und die zentrale Mariengestalt ist seine eigene Tochter. So verschmilzt eine Tausende von Jahren alte Geschichte mit ganz gegenwärtigen Menschen.

Ob das gefällt, ist letztendlich Geschmacksache. Dass sich jemand jedoch derart angreifbar macht mit und in seinem Glauben, ist erst einmal mutig und hätte schon allein für sich genommen ein tolles Thema sein können. Dem Film hätte an vielen Stellen ein deutlicheres, vielleicht auch provozierenderes Nachfragen besser getan als stille Bewunderung.

TRIEGEL TRIFFT CRANACH – MALEN IM WIDERSTREIT DER ZEITEN
Deutschland 2025, 107 min
Regie: Paul Smaczny

Mit: Michael Triegel, Elisabeth Triegel, Christine Salzmann, Holger Kunde, Frank Zöllner
Kinostart: 05.02.202

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Die Galerie Schwind in Berlin zeigt bis zum 21. März die neusten Gemälde und Pergamentarbeiten des Künstlers.