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Die mdh Mediadesign Hochschule in Berlin kündigt den ersten Masterstudiengang für Art Market Management in Deutschland an. art-in-berlin sprach mit Dr. Harriet Häußler, der Leiterin und Programmentwicklerin des dreisemestrigen Masterstudiengangs.

Carola Hartlieb-Kühn: Warum hat die hiesige Hochschullandschaft diese Spezialisierung auf das Segment Art Market Management im Vergleich zu internationalen Vorreitern wie London oder New York so lange vernachlässigt, und warum ist der Startpunkt genau jetzt der richtige?

Harriet Häußler: Die Hochschullandschaft orientiert sich in Deutschland gerne langfristig, sie will nicht gleich jedem Trend nachgeben. In Deutschland wird sehr genau geprüft, welche Studiengänge wirklich zukunftsorientiert sind. Dieser Prozess dauert naturgemäß länger, hat aber auch mehr Nachhaltigkeit. Jetzt ist der richtige Punkt, um einen Studiengang zur Kunstmarktforschung in Berlin einzurichten, da langfristig feststeht, dass der Kunstmarkt in Deutschland zu den wichtigsten Märkten auf der Welt zählt – seit Jahren belegt Deutschland den fünften oder sechsten Platz in den globalen Kunstmarkt-Rankings, einzelne Protagonist:innen zählen wiederholt zu den 100 wichtigsten Kunstmarktakteur:innen weltweit.

Carola Hartlieb-Kühn: Der Kunstmarkt galt lange Zeit als intransparent und stark durch informelle Netzwerke geprägt. Welche Kompetenzen und ökonomischen Instrumente müssen künftige Akteurinnen und Akteure heute beherrschen, um den gestiegenen Anforderungen an Professionalisierung und Markttransparenz gerecht zu werden?

Harriet Häußler: Protagonisten des Kunstmarkts müssen heute global und digital denken. Selten waren die Unterschiede zwischen den Generationen größer; heutige Galerist:innen, Auktionator:innen, Künstler:innen müssen noch schneller die aktuellen Entwicklungen im Blick behalten und darauf professionell reagieren. Dazu zählt besonders ein kompetenter Umgang mit den Sozialen Medien und der KI. Zugleich gelten weiterhin „traditionelle“ ökonomische Gesetze, die jedoch schneller und eben anders umgesetzt werden. Denn trotz der gestiegenen Transparenz auf dem Kunstmarkt (z. B. in Bezug auf Verkaufspreise) bleibt der Markt ein von sozialen Netzwerken getragener Markt.

Carola Hartlieb-Kühn: Mit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) und dem Kölner ZADIK bindet der Studiengang zwei hochkarätige Partner ein. Wie wird die Zusammenarbeit in der Lehre konkret aussehen, und welche Rolle spielen Materialanalyse und historische Marktforschung für zeitgemäße Echtheitsprüfungen und Provenienz-Recherchen?

Harriet Häußler: Es gibt jeweils eigenständige Module mit der BAM und dem ZADIK. Das bedeutet, dass die Studierenden im Labor der BAM Kunstwerke – deren Farbpigmente, Bildträgerschichten – überprüfen werden. Im ZADIK werden sie vor Ort lernen, wie mit historischen Originalarchivalien in Papierform wie auch als digitale Datei gearbeitet wird. Beide Institute sind hochprofessionelle Orte, an denen die Studierenden für die Authentizitätsprüfung eines Kunstwerkes sensibilisiert werden können. Denn Fälschungen und Kunstwerke mit ungeklärter Provenienz sind weiterhin im Umlauf – nur durch Kompetenz können die Schwachstellen in der Provenienz sowie Fälschungen aufgedeckt und erkannt werden. Gerade im postkolonialen, digitalen Zeitalter werden in Fragen der Provenienz und der Echtheit eine höhere Sensibilität und Professionalität von Experten nachgefragt.

Carola Hartlieb-Kühn: Das Programm schlägt eine Brücke zwischen dem Produktions- und Galerien-Hotspot Berlin und dem traditionsreichen rheinländischen Sammlermarkt rund um Düsseldorf. Wie nutzen die Studierenden diese beiden unterschiedlichen Marktbiotope im Verlauf der drei Semester praktisch?

Harriet Häußler: Die Studierenden nehmen in den ersten beiden Semestern in Berlin an zahlreichen Exkursionen teil – in Galerien, Künstlerateliers und in Auktionshäusern. In Köln werden sie die Kunstmesse Art Cologne sowie weitere Galerien besuchen. In Düsseldorf werden sie Privatsammlungen und Kunsthandlungen kennenlernen. Dadurch können die Studierenden in der Praxis mit vielen Protagonisten in Kontakt kommen.

Carola Hartlieb-Kühn: Der Studiengang ist dreisemestrig und komplett englischsprachig konzipiert. Welche Zielgruppe sprechen Sie primär an – und wie bereitet das Curriculum darauf vor, flexibel zwischen lokalen Marktmechanismen und den globalen Schaltstellen des Kunsthandels zu agieren?

Harriet Häußler: Für die Teilnahme am Studiengang ist ein Sprachlevel B2 in Englisch Voraussetzung, da der Kunstmarkt in sich global ausgerichtet ist. Eine Arbeit auf dem Kunstmarkt ist nur mit Englischkenntnissen professionell möglich. Der Studiengang spricht daher alle Nationalitäten an. In den einzelnen Modulen wird Wissen über den globalen Kunstmarkt erlernt und dann jeweils vor Ort in der Praxis überprüft. Denn der deutsche Kunstmarkt ist global ausgerichtet, bedeutende Protagonisten agieren von Berlin und dem Rheinland aus. Deren Wirken strahlt nachweislich in die Welt. Dies gilt sowohl für Galerien, Kunsthändler:innen und Künstler:innen als auch Kurator:innen und Sammler:innen.

Carola Hartlieb-Kühn: Der Studiengang wirbt mit handfesten Case Studies – von Preisstrategien und Businessplänen bis hin zum Ausstellungs-, Messe- und Auktionsmanagement. Wie verhindern Sie, dass Managementlehre zu abstrakt bleibt?

Harriet Häußler: Im ersten Semester bewerten die Studierenden die Messestände von Galerien auf der Art Cologne vor Ort während einer Exkursion. Im zweiten Semester organisieren sie an der Hochschule eine eigene Verkaufsausstellung mit Werken ihrer Kommiliton:innen – die mdh bietet hier mehrere kreative Studiengänge an. Und im dritten Semester führen die Studierenden des Art Market Management Masters eine eigene Auktion durch, wenn sie Arbeiten ihrer Kommiliton:innen versteigern. Mehr Praxis ist im Rahmen eines Masterstudiengangs nicht denkbar.

Carola Hartlieb-Kühn: Provenienz-Fragen, Restitution oder andere Sorgfaltspflichten fordern den Handel zunehmend heraus. Wie tief verankert der Master diese rechtlichen und ethischen Fragestellungen im Lehrplan, um Absolvent:innen auf die aktuellen Regulierungen in Europa vorzubereiten?

Harriet Häußler: Es gibt im ersten Semester zwei Pflichtmodule, in denen diese Themen bearbeitet werden: In dem Modul zur Provenienzforschung werden die Studierenden mit den gängigen Methoden der aktuellen Forschung in der Theorie vertraut gemacht, während sie im Modul zum Recht auf dem deutschen Kunstmarkt die wichtigsten Gesetze kennenlernen (Kulturgutschutzgesetz, Urheberrecht, Folgerecht). Im ersten und zweiten Semester können die Studierenden im Wahlpflichtfach einen individuellen Schwerpunkt setzen, indem sie das Modul Internationales Recht auf dem Kunstmarkt auswählen – hier liegt der Fokus auf den drei wichtigen Kunstmarktnationen USA, China und UK. Besonders in den beiden Modulen zum Recht werden ethische Fragen gleichfalls behandelt. In zwei weiteren Wahlpflichtmodulen – Kunst und Gesellschaft sowie Interkulturelle Kommunikation – wird ein Schwerpunkt auf Fragen zu Ethik, Moral und Nachhaltigkeit von Kunst im gegenwärtigen Kunstmarkt gelegt.

Carola Hartlieb-Kühn: Ob Galerieassistenz, Auktionshaus oder freies Sammlungsmanagement: Viele Positionen im Kunstbetrieb waren traditionell Quereinsteigern aus der reinen Kunstgeschichte vorbehalten. Welchen messbaren Vorsprung verschafft der akademische Management-Abschluss den Studierenden beim Eintritt in diesen kompetitiven Markt?

Harriet Häußler: Die Masterabsolventen vom Art Market Management haben bereits eine eigene Ausstellung, eine eigene Auktion durchgeführt – sie kennen die wichtigsten Protagonisten; sie verstehen, wie der Kunstmarkt funktioniert. Sie sind sofort einsetzbar. Kunsthistoriker:innen benötigen erst eine längere Einarbeitungszeit in den Markt, zudem können einige auch von der „Härte“ der Wirtschaft überrascht sein und erst nach einiger Zeit merken, dass eine Tätigkeit auf dem Kunstmarkt nicht ihren wirklichen Interessen entspricht, sondern nur aus ökonomischen Zwängen erfolgt. Art Market Management Absolventen wissen, wie ihre Arbeit aussieht und können dementsprechend sofort in die Praxis gehen.

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mdh Mediadesign Hochschule in Berlin has announced Germany's first Master's degree program in Art Market Management. art-in-berlin spoke with Dr. Harriet Häußler, the director and program developer of the three-semester Master's program.

Carola Hartlieb-Kühn: Why has the local academic landscape neglected this specialization in the Art Market Management segment for so long compared to international pioneers like London or New York, and why is now exactly the right time to start?

Harriet Häußler: The academic landscape in Germany prefers a long-term orientation; it does not want to give in to every trend immediately. In Germany, there is a very rigorous assessment of which degree programs are truly future-oriented. This process naturally takes longer but also ensures greater sustainability. Now is the right time to establish a degree program in art market research in Berlin, as it is clear in the long term that the art market in Germany is among the most important in the world—for years, Germany has held fifth or sixth place in global art market rankings, and individual protagonists are repeatedly ranked among the 100 most influential art market actors worldwide.

Carola Hartlieb-Kühn: For a long time, the art market was considered opaque and heavily influenced by informal networks. What competencies and economic instruments must future actors master today to meet the increased demands for professionalization and market transparency?

Harriet Häußler: Art market protagonists today must think globally and digitally. Rarely have generational differences been greater; today's gallerists, auctioneers, and artists must keep an eye on current developments even more quickly and react to them professionally. This particularly includes competent handling of social media and AI. At the same time, "traditional" economic laws still apply, though they are implemented faster and in different ways. Despite the increased transparency in the art market (e.g., regarding sales prices), the market remains one driven by social networks.

Carola Hartlieb-Kühn: With the Federal Institute for Materials Research and Testing (BAM) and the Cologne-based ZADIK, the program incorporates two high-caliber partners. How will the collaboration in teaching look in practical terms, and what role do material analysis and historical market research play for contemporary authenticity testing and provenance research?

Harriet Häußler: There are independent modules with both BAM and ZADIK. This means that students will examine artworks — their analyzing pigments, grounds, and support materials - in the BAM laboratory. At ZADIK, they will learn on-site how to work with original historical archival materials in both paper and digital formats. Both institutes are highly professional locations where students develop an acute awareness of authenticity issues in artworks. Forgeries and artworks with unclear provenance are still in circulation—only through expertise can weaknesses in provenance and forgeries be uncovered and recognized. Particularly in the post-colonial, digital age, a higher level of sensitivity and professionalism is demanded from experts regarding questions of provenance and authenticity.

Carola Hartlieb-Kühn: The program bridges the gap between the production and gallery hotspot of Berlin and the tradition-steeped Rhineland collector market around Düsseldorf. How will students practically utilize these two different market biotopes over the course of the three semesters?

Harriet Häußler: In the first two semesters in Berlin, students participate in numerous excursions—to galleries, artist studios, and auction houses. In Cologne, they will visit the Art Cologne art fair as well as other galleries. In Düsseldorf, they will get to know private collections and art dealerships. This allows students to come into practical contact with many protagonists.

Carola Hartlieb-Kühn: The program spans three semesters and is designed entirely in English. Which target group are you primarily addressing—and how does the curriculum prepare them to act flexibly between local market mechanisms and the global hubs of the art trade?

Harriet Häußler: A B2 language level in English is a prerequisite for participating in the program, as the art market is inherently global in its orientation. Professional work in the art market is only possible with a command of English. The program therefore addresses all nationalities. In the individual modules, knowledge of the global art market is acquired and then verified on-site in practice. After all, the German art market is globally oriented; major protagonists operate from Berlin and the Rhineland. Their influence is demonstrably felt worldwide. This applies to galleries, art dealers, and artists as well as curators and collectors.

Carola Hartlieb-Kühn: The program promotes itself with hands-on case studies—from pricing strategies and business plans to exhibition, fair, and auction management. How do you prevent management theory from remaining too abstract?

Harriet Häußler: In the first semester, students evaluate the fair booths of galleries at Art Cologne on-site during an excursion. In the second semester, they organize their own sales exhibition at the university featuring works by their fellow students—mdh offers several creative degree programs here. And in the third semester, Art Market Management Master's students conduct their own auction when they auction off works by their peers. You couldn't ask for more hands-on experience in a Master's program.

Carola Hartlieb-Kühn: Provenance issues, restitution, and other due diligence requirements are increasingly challenging the trade. How deeply does the Master’s program anchor these legal and ethical questions in the curriculum to prepare graduates for current regulations in Europe?

Harriet Häußler: In the first semester, there are two mandatory modules where these topics are addressed: in the provenance research module, students are familiarized with the common methods of current research in theory, while in the module on law in the German art market, they learn about the most important laws (Act on the Protection of Cultural Property, Copyright, Resale Right). In the first and second semesters, students can set an individual focus in an elective module by choosing International Art Market Law—here the focus is on the three major art market nations: the USA, China, and the UK. Ethical questions are also treated within the two law modules. In two further elective modules—Art and Society and Intercultural Communication—a focus is placed on questions of ethics, morality, and sustainability of art in the contemporary art market.

Carola Hartlieb-Kühn: Whether gallery assistance, auction houses, or freelance collection management: many positions in the art world were traditionally reserved for art history graduates transitioning into the commercial sector. What measurable advantage does an academic management degree give students when entering this competitive market?

Harriet Häußler: The Master's graduates of Art Market Management have already organized their own exhibition and conducted their own auction—they know the most important protagonists and understand how the art market works. They are ready for immediate employment. Art historians require a longer orientation period in the market; furthermore, some may be surprised by the "toughness" of the business and only realize after some time that a career in the art market does not match their real interests, but was pursued out of economic necessity. Art Market Management graduates know what their work looks like and can therefore enter the field immediately.