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Berlin Daily 19.09.2021
Berlin Art Week

Heute endet die Berlin Art Week. Nochmals ein Tag mit vollem Programm, siehe Website.

Interviewreihe zum Spreewälder Kunstfestival aquamediale

von chk (09.09.2021)


Interviewreihe zum Spreewälder Kunstfestival aquamediale

© Gong Zhang, Foto: Förderverein aquamediale e.V./FRAMERATE MEDIA

Die aquamediale ist ein internationales Festival für zeitgenössische Kunst im Spreewald und seit 19 Jahren fester Bestandteil des brandenburgischen Kultursommers.

Elf Künstler*innen aus acht Nationen begleiten die aquamediale 14 und visualisieren das Thema „Hand Werk Kunst“ in ihren Arbeiten. Über die Dauer der aquamediale stellen wir auf art-in-berlin in regelmäßigen Abständen die Künstler*innen in Kurzinterviews vor:

Nach Nadine Glas, Dan Farberoff & David Behar Perahia, Marie-Annick Le Blanc, Mark Swysen, Robin Zöffzig, Jim Avignon folgt heute der Künstler in dieser Reihe Gong Zhang.

aib: Das Kunstfestival aquamediale hat zum Motto „Hand Werk Kunst“. In welchem Verhältnis stehen für Sie die Begriffe Hand Werk Kunst?

Gong Zhang: Ich denke, „Hand Werk Kunst“ scheint eine rein materielle Definition des Ergebnisses der Arbeit des Künstlers zu bezeichnen. Ich persönlich neige dazu, das Wort „Kunst“ eher mit immateriellen Begriffen wie „Information“ oder „Energie“ zu verbinden.
Für mich als Künstler gilt: Malerei ist Malerei, Skulptur ist Skulptur, Video ist Video, Ton ist Ton, Kunsthandwerk ist Kunsthandwerk, das heißt sie alle sind Beschreibungen des Ergebnisses der Arbeit des Künstlers. Sie können gesehen, gehört oder berührt werden. Im Gegensatz dazu kann „Kunst“ selbst nicht so wie diese gesehen, gehört oder angefasst werden, aber Kunst kann durch sie wahrgenommen werden.

aib: Was haben Sie vor Ort vorgefunden, was Ihr künstlerisches Interesse erregt hat?

Gong Zhang: Da ich in einer Großstadt aufgewachsen bin, hat mich der Schlepzig-Unterspreewald am meisten beeindruckt. Die Menschen an diesem Ort leben umgeben mit einer Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Aber tatsächlich bin ich mir nicht sicher: vielleicht leben hier die Tiere in einer Umgebung von Menschen und verschiedenen Pflanzen. Oder die Pflanzen leben hier in einer Umgebung von Menschen und verschiedenen Tieren. Es ist für mich unmöglich zu unterscheiden, wer wessen Umgebung ist. Sie sind das äußere Lebensumfeld des anderen.
Das Gegenteil davon ist: wenn ich mich in einer Großstadt befinde, ist es sehr klar. Ich stehe zwischen den Häusern. Auf der Straße fahren Autos. Am Straßenrand gibt es Grünpflanzen. Davor ist ein großer Platz und vielleicht ein Garten daneben. Ich weiß also ganz klar, dass ich inmitten von ihnen lebe. Ich bin ein Mensch, sie sind meine Umgebung.
Im Schlepzig-Unterspreewald kann ich Natur spüren, ich bin ein Teil der Natur und kann zur Natur zurückkehren. Das ist für mich eine wundervolle Erfahrung.

aib: Wie wichtig war der Austausch vor Ort (mit den anderen Künstler*innen / mit den Menschen vor Ort oder den Organisatoren)?

Gong Zhang: Der Austausch vor Ort mit den anderen Künstler*innen, mit den Menschen vor Ort oder den Organisatoren sind mir sehr wichtig, da ich ohne deren Hilfe meine Arbeit nicht abschließen könnte. Ich kenne den Wald eigentlich nicht und verstehe die Natur hier nicht. Aber das Konzept meiner Arbeit war es, sich hier mit der Umgebung und der Natur zu unterhalten.
Solche Kommunikation hat mir auch geholfen zu verstehen, dass es sich sehr von der Arbeit in Innenräumen und ebenso von der Arbeit im öffentlichen Raum in Städten unterscheidet. Der Wald lebt, er wächst und verändert sich jeden Moment. Voller Lebendigkeit und Vitalität.

Responsive image © Gong Zhang, Foto: Förderverein aquamediale e.V./FRAMERATE MEDIA

aib: Was macht ein Traumfressendes Biest im Spreewald? Bzw. was hat Sie dazu bewegt, chinesische Legenden in den Spreewald zu verorten?

Gong Zhang: Als ich zum ersten Mal in den Spreewald kam, habe ich einen starken Schock angesichts der Natur gespürt. Das harmonische Miteinander von Natur, Pflanzen, Tieren und Menschen hat mich tief bewegt. Angesichts von Corona befinden wir uns seit zwei Jahren in einer besonderen Zeit, in einem Zustand der Angst, der Ruhelosigkeit und der Verwirrung über die Zukunft. Das erinnerte mich an die alte Legende „Das Traumfressendes Biest“. Ich betrachte „Das Traumfressendes Biest“ als ein "Wurmloch" (in der Kosmologie: ein Kanal, der verschiedene Raum-Zeiten verbindet), das die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft in sich vereint.
Was ist Realität, was ist Wirklichkeit? Die „mysteriöse Welt“ und die „reale Welt“. Unwissenheit macht uns Angst. Daher betrachten wir die Welt wissenschaftlich, berufen uns auf vorhandenes Wissen, um sie zu verstehen. Natürlich bleibt die unbekannte Zukunft trotzdem voller Ungewissheit und birgt Verunsicherung.
Aber ist die Zeit wirklich wie ein Fluss, der für immer vergangen ist? Die alten Chinesen betrachteten die Zeit als einen Kreis, sogar als eine Kugel. Es ist eine Haltung gegenüber der Natur - außerhalb des wissenschaftlich-rationalen Denkens. Es ist auch eine Möglichkeit, im Einklang mit der Natur zu leben. In dieser Arbeit will ich diese Haltung anwenden, um mit der Natur zu kommunizieren. Ich unterhalte mich durch meine Arbeit mit der Umgebung, das Publikum ist der Zuhörer.

aib: Sie haben viele Skulpturen für städtebauliche Projekte geschaffen und in Ihrem Werk spielt die räumliche Gestaltung eine wichtige Rolle. Welche künstlerische Rolle spielt der Begriff Raum in der Natur?

Gong Zhang: Im Kontext der Kunst glaube ich nicht, dass Raum eine Realität ist, die die Existenz bestätigt. Es hängt ganz von der geistigen Welt des Betrachters ab. In der traditionellen chinesischen Malerei Theorie gibt es ein berühmtes Sprichwort: „Der perfekte Bambuswald im Geiste.“ Es bedeutet: Die Welt, die jeder sieht, ist anders. Sie malen nur den perfekten Bambuswald, den Sie sehen.

Mehr zu Gong Zhang unter: gongzhang.weebly.com

Unter dem Thema „Hand Werk Kunst“ ist die Kunstausstellung am, im und auf dem Wasser bis zum 18. September 2021 im Spreewalddorf Schlepzig zu sehen.

aquamediale.dahme-spreewald.info

chk

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