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Die Retrospektive der BERLINALE punktet

von Daniela Kloock (22.02.2023)
vorher Abb. Die Retrospektive der BERLINALE punktet

Touki Bouki, Filmstill: Magaye Niang, Mareme Niang, SEN 1973, Regie: Djibril Diop Mambéty, Retrospektive 2023, © www.trigon-film.org

Die Retrospektive der BERLINALE punktet dieses Jahr mit einer äußerst charmanten Idee. Rund um die Welt wurden Filmschaffende aller Sparten eingeladen, ihren ganz persönlichen Lieblingsfilm vorzuschlagen und bei der Vorführung im Berlinale-Kino live oder über line zu kommentieren. Einzige thematische Vorgabe war, dass es um das Thema „Erwachsenwerden“ bzw. „Coming of Age“ gehen sollte. Es dürfte also interessant werden, was beispielsweise Tilda Swinton, Kirsten Steward, Wes Anderson, Céline Sciamma oder der altehrwürdige Martin Scorsese, um nur einige zu nennen, zu ihrer Auswahl sagen.

Das Spektrum der insgesamt 28 Beiträge reicht von Klassikern (wie „Rebel without a Cause“ oder „Rumble Fish“) und bekannteren Filmen (wie „Drei Farben: Blau“ oder „Jeder für sich und Gott gegen Alle“ - übrigens der einzige deutsche Film) bis hin zu echten Neu- bzw. Wiederentdeckungen. Allen voran erwähnt sei „Sugar Cane Alley“, der aus Martinique stammenden französischen Regisseurin Euzhan Palcy, die 1983 für ihren Debütfilm in Venedig den Jurypreis und jüngst einen Ehrenoscar erhalten hat. Aus einer jugendlichen Perspektive schildert Palcy die Überlebensstrategien der schwarzen Bevölkerung Martiniques in den 1930er Jahren.
Ein weiteres Highlight der sogenannten postkolonialen Filmmoderne ist „Touki Bouki“ (1973). Ein junges Paar aus Dakar verschafft sich auf kleinkriminelle Art und Weise Geld, um nach Paris zu gelangen. Vorgeschlagen von Abderrahmane Sissako (Konrad-Wolf Preisträger der Adk 2021), der empfiehlt, diesen Film am besten mit geschlossenen Augen zu sehen.
Erfreulich sind die relativ zahlreichen (immerhin ein Drittel) Filmbeiträge von RegisseurInnen. Neben Véra Chytilová („Tausendschönchen“), Sofia Coppola („The Virgin Suicides“) oder Agnès Varda („Sans Toit ni Loi“). Varda lässt ihre Hauptfigur, eine Landstreicherin (Sandrine Bonnaire), quer durch alle Milieus wandern und schafft nicht zuletzt durch eine semi-dokumentarische Machart, ein aufschlussreiches Abbild der französischen Gesellschaft dieser Zeit. Die Gefühlswelt Jugendlicher der 1968er Jahre halten Bernardo Bertolucci in „Prima della Rivoluzione“ (1964) fest, oder fast zeitgleich, aber die 1920-Jahre ins Visier nehmend, Elia Kazan in „Splendor in the Grass“(1961) - die Liebesgeschichte zweier Jugendlicher (grandios Warren Beatty und Natalie Wood), die nicht zueinander kommen dürfen. Die Verlogenheit und Gefühlskälte Erwachsener in einer US-amerikanischen Mittelstandsgesellschaft so präzise zu porträtieren, das hat ihm so schnell keiner nachgemacht

Alle diejenigen, die also den Hype um die NEUSTEN Filme, die man keineswegs verpassen sollte, leid sind, werden in der diesjährigen Retrospektive mit fantastischen Filmen beschenkt, die noch dazu überraschend präsentiert werden.

Am 22.2.2023 | 17 Uhr| im Hau 1 spricht Euzhan Palcy, die jüngst den Ehrenoscar erhielt, über ihre bemerkenswerte internationale Filmkarriere. Hier mehr dazu

www.berlinale.de

Daniela Kloock

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