Monk in Pieces
Land: USA, DEU, FRA 2025
Regie: Billy Shebar, David Roberts
Bildbeschreibung: Meredith Monk
Sektion: Panorama 2025, © 110th Street Films

Monk in Pieces

Wer oder was ist Meredith Monk nicht alles? Zunächst und vor allem ist sie die Pionierin vokaler Performance-Kunst, die in den 1960er Jahren jegliches Kunstverständnis fundamental erschütterte. Sie entwickelte die sogenannte "extended vocal technique" - eine Gesangstechnik aus wortlosen Lautgesten, die verschiedene stimmliche Ausdrucksformen wie Summen, Krächzen und Kehllaute vereint. Somit ist die menschliche Stimme nicht nur als einzigartig zu begreifen, sondern als DAS Instrument per se, um Gefühle auszudrücken. Das war ein völlig neuer und provokanter Ansatz.

In dem Dokumentarfilm der beiden Regisseure Billy Shebar und David C. Roberts öffnet die mittlerweile 82-jährige Künstlerin ihr Loft in Tribeca, wo sie seit über 30 Jahren lebt und arbeitet. Die dort aufgezeicneten Interviews folgen weitestgehend chronologisch ihrer künstlerischen Laufbahn. Angereichert bzw. unterbrochen werden sie durch zahlreiche Mitschnitte von Auftritten, privaten Fotos und Tagebuchaufzeichnungen.

Doch der Film ist kein bieder gemachtes Biopic. Wie schon der Titel andeutet, entsteht eher ein mosaikartiges Bild, das die offene und sich ständig wandelnde Struktur im künstlerischen Schaffen Monks widerspiegelt. Denn ihr Gesamtwerk befasst sich nicht nur mit Stimme und Musik, sondern auch mit Tanz und Theater, mit Licht und Film. Einige Szenen zeigen Meredith Monk als Choreographin, als Lehrende und Unterrichtende. Wesentliche Höhe- und Tiefpunkte ihrer Karriere werden aufgegriffen, von den politischen 1960er Jahren bis zu ihrem aktuellen Werk „Indra´s Net“. Das Schöne ist, dass der Film eine ausgesprochen angenehme Balance zwischen privaten, intimen Einblicken und dokumentarischen Elementen findet.


2024 (2023)
Land: DEU 2025
Regie: Stefan Hayn
Sektion: Forum 2025, © Stefan Hayn


2024 (2023)

Stefan Hayn ist Filmemacher UND bildender Künstler/Maler. Er studierte in den 1980er Jahren an der UDK Berlin u.a. bei Rebecca Horn und anschließend Dokumentarfilm-Regie bei Thomas Schadt und Helga Reidemeister an der Filmakademie Ludwigsburg. Sein durchgängiges Interesse gilt dem Verhältnis von Film und Malerei. Inhaltlich beschäftigt er sich mit sehr komplexen Themen wie dem Verhältnis von Bild- und Lebenserzählungen, Individualität und Vergesellschaftung, Abstraktion und Autonomie.

Sein BERLINALE Beitrag 2024 (2023) ist jedoch vor allem eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Wahrnehmungsschichten - sowohl der des Künstlers selbst als auch der des Rezipienten. Hayn stellt indirekt Fragen danach, was man ÜBERHAUPT sieht und welche Bedeutung Zeit, Licht und Perspektive dabei haben. Er baut beispielsweise seine Staffelei an verschiedenen markanten Orten Berlins auf (Holocaust-Mahnmal / Jüdisches Museum / Amerika-Gedenkbibliothek / Haus der Wirtschaft). Während seine Aquarelle dieser Stadtansichten entstehen, läuft seine Handykamera mit. Der Künstler selbst kommt jedoch nie ins Bild, auch gibt es keine Kommentare von ihm. Nur einmal hören wir einen Passanten sagen: „Berlin sieht schön aus – aber laut“.

Wie also lädt sich ein Bild mit Bedeutung auf? Was passiert, wenn es keine Erklärungen, keine Titel, keine Sprache, keinen Kommentar und inhaltliche Kontextualisierung gibt? 2024 (2023) ist gleichzeitg ein meditativer wie konfrontativer Film. Ein anspruchsvoller Berlinale Beitrag – ein Solitär.

Eine weitere Filmbesprechung in unserer Reihe BERLINALE Filme über Künstler und Künstlerinnen von Daniela Kloock finden Sie hier.